21. August 2017 | 21:43
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Offener Brief an die Berliner Nachbarn

Neulich habe ich ein Plakat gesehen, das ich begeistert gefeiert habe und deshalb möchte ich es euch nicht vorenthalten.

Liebe Nachbarn!

Vielen von euch ist es inzwischen zu laut in Berlin. Eigentlich seid ihr einst nach Berlin gekommen, um der Trostlosigkeit der deutschen Provinz zu entfliehen, die bekanntlich flächendeckend in diesem Land herrscht, außer eben in Berlin. Erinnert ihr euch?

Das war in der Zeit, in der ihr selbst noch ausgegangen seid. Inzwischen habt ihr euch ein Wochenendhäuschen in Brandenburg gekauft, gehört zu den wenigen in dieser Stadt, die einer geregelten Arbeit nachgehen, und lebt eigentlich nur noch deswegen in Kreuzberg, im Prenzlauer Berg oder Mitte, weil dort der nächste Bioladen ums Eck und die Kita so gut ist. Natürlich schätzt ihr immer noch die lockere Atmosphäre Berlins, sonntags geht ihr selber gerne Brunchen und ihr findet es super, dass in eurer liebsten Szenekneipe immer so schräge Vögel herumsitzen. Aber ihr wollt dieses Berlin, das ihr ja immer noch so „aufregend“ und „cool“ findet, lieber nicht mehr bis kurz vor eure Altbauwohnungen mit den frisch abgezogenen Dielen kommen lassen. Irgendwann ist auch mal Schluss mit lustig! Im „Knaack“ ging es zu laut her, für das S036 habt ihr eine Lärmschutzwand durchgesetzt und als nächstes wollt ihr das sinnlose Rumgehocke an der Admiralsbrücke unterbinden. Außerdem geht es euch seit Neuestem auch noch viel zu wild im „Roten Salon“ zu. All den Lärm in Berlin wollt ihr verbieten, immer lauter werdet ihr mit euren Forderungen nach mehr Stille. Ihr wollt immer deutlicher vernehmbar Zustände wie in den Einöden, aus denen ihr herkommt.
Deswegen fragen wir euch: Wollt ihr nicht lieber wieder dorthin zurück?

Euer [030] Team

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